Schratt – seit 1803 in Oberstdorf
Die Tradition bewahrt das Beste der Generationen und gibt ihr Vermächtnis weiter – Qualität, Beständigkeit und Ausstrahlung.
Der Beginn
Über 200 Jahre Schuhhandwerk aus dem Hause Schratt in Oberstdorf, das verpflichtet geradezu, den Rückblick zu den Anfängen im Jahr 1803 zu erarbeiten, den Weg des Familienbetriebes durch 2 Jahrhunderte zu begleiten und zu sehen, wie sich die heutige Generation in der Verantwortung sieht und sich präsentiert.
Rückblick im Jahr 1803
Inspiriert von der Natur entwickelte der Oberstdorfer Schuhmacher Franz Schratt 1803 den Haferlschuh. Der Gemshuf lieferte ihm die Vorlage für den zunächst für Bergbauern und Jäger entworfenen Schuh: die schmale, unterzogene Sohle sollte eine ähnliche Trittsicherheit bieten, wie sie die Gemse in den Bergen hat. Zweckmäßigkeit und schlichte Eleganz sicherten dem Haferlschuh schnell einen großen Kreis von Liebhabern.
Schuhmacher der Könige
Der Enkel Franz Schratt machte Ende des 19. Jahrhunderts den Haferlschuh über die Region hinaus bekannt, ja sogar berühmt. Zum Kundenstamm des Josef Schratt gehörten bald Prominente aus Kultur und Gesellschaft. Schratt machte aber nicht nur derbe Bergschuhe, sondern auch Schuhe für festliche Gelegenheiten, sogar paillettenbesetzte Abendschuhe. Die Königin der Niederlande und der Herzog von Kalabrien ernannten ihn zum Hoflieferanten. Trotz Dutzender von Goldmedaillen, die sie für ihre hervorragende Arbeit einheimsen konnten, blieben die Schratts bescheidene Handwerker. Lob wehrten sie mit der Bemerkung ab: „Es gibt im Allgäu noch mehr tüchtige Schuhmacher.“ Josef Schratt war nicht nur ein „Schuhmacher der Könige“, wie man ihn oft genannt hat, sondern auch ein „König der Schuhmacher“. „Wer Schuhe nach Maß macht, muss von der Anatomie des Fußes soviel verstehen wie ein Arzt“, versicherte er und fügte hintersinnig hinzu: „Froh ist der Mensch nur, wenn ihm kein Schuh drückt.“ Wie sagte Meister Schratt doch: „Der Schuh ist der Menschheit ältestes Verkehrsmittel!“
Der größte Schuh der Welt
Schuhmachermeister Josef Schratt fasste im Jahre 1930 den Entschluss, einen so großen Schuh zu bauen, wie es ihn noch nie gegeben hatte. Zunächst entwarf er auf Papier ein Modell, dann zeichnete er die Form mit Kreide in Originalgröße auf den Fußboden. Doch als er am nächsten Morgen die Zeichnung für den Lederschnitt vervollständigen wollte, war sie verschwunden. Das Hausmädchen hatte das „Geschmier“ fein säuberlich aufgewischt.
Das entmutigte den Meister jedoch so wenig wie die Mitteilung einer Spezialfabrik, sie könne einen so großen Leisten nicht herstellen. Schratt fertigte den Leisten für den 8 Zentner schweren Schuh eben selber. 9 Großviehhäute verarbeitete er für den dreieinhalb Meter langen Schuh, Größe 450. Eine Firma aus der Schnürsenkel-Metropole Wuppertal lieferte die passende Verschnürung, die vier Kilo wog. Kaum war das Werk beendet, da konfrontierte Frau Schratt ihren Mann mit einer Zeitungsmeldung, wonach eine amerikanische Firma den größten Schuh der Welt baute. Josef Schratt hatte verständlicherweise daraufhin eine schlechte Nacht und ließ gleich am Morgen vom Direktor der Realschule die amerikanischen Maße umrechnen, um dann höchst erfreut festzustellen, dass sein Schuh doch größer sei.
Da jetzt auch die Presse auf den Riesenschuh aus Oberstdorf aufmerksam wurde, schaltete sich der amerikanische Handelsattaché ein und entsandte 2 Polizisten, die Schratts Angaben zu prüfen hatten.
Der Schuh wurde „bahnamtlich“ gewogen, die amerikanische Botschaft kapitulierte und bestätigte, dass dem Oberstdorfer Meister der Ruhm gebühre, den größten Schuh der Welt hergestellt zu haben.
Der Riesenschuh wanderte von Ausstellung zu Ausstellung und wo immer der Schuh war, wollte man auch den Schöpfer sehen. So lernte Schratt ganz Europa kennen, vertrat auf Kongressen und Tagungen die deutschen Schuhmacher und ihre Interessen.
Nach dem 2. Weltkrieg zerlegte Schratt den Riesenschuh, das kostbar gewordene Material wurde für den Tagesbedarf gebraucht. Als das 150-jährige Bestehen der Schuhmacherfamilie Schratt anstand, entschloss er sich noch mal einen Riesenschuh anzufertigen. Weihnachten 1950 war er fertig.
Schuhgröße 480, Gewicht 12 Zentner und auf der Einlegesohle konnten 4 Mann bequem liegen. Für das Futter benötigte Schratt 20 Meter Rupfen und zum Vernähen der Sohle 45 Meter Bergführerseil.
Heute steht der größte Schuh der Welt im Heimatmuseum in Oberstdorf.
Im Laufe der Zeit …
Franz Schratt, Vater des heutigen Geschäftsführers, hielt nach seinem Kriegseinsatz und Arbeitsdienst mit viel Einsatz und Mühe die Firma und den Handwerksbetrieb am Laufen. Nach Meisterschule und Handelsschule, sowie verschiedenen Volontärsstellen (z. B. bei der Firma Rieker und dem Einkaufsverband „Nord-West-Ring“) trat Franz Schratt sen. 1951 ins elterliche Geschäft ein.
Nach dem Abriss des Firmensitzes in der Weststraße erfolgte der Neubau und damit der Schritt vom Handwerksbetrieb zu einem modernen, zeitgemäßen Einzelhandelsunternehmen.
In den 70er Jahren entstand durch den unermüdlichen und persönlichen Einsatz von Franz und Irmgard Schratt, durch stetige Reinvestitionen, das große fachliche Know-how und das modische Gespür der beiden, der Grundstein für das Heute – der konsequent verfolgte Weg hin zu einem modischen Schuhgeschäft mit umfangreichem Sortiment. Der sportliche Einfluss war nie zu übersehen, waren doch beide leidenschaftliche Berggänger.
Mit dem Eintritt von Anita und Franz Schratt jun. wurden die Weichen ins neue Jahrhundert gestellt. Weitblick und professioneller, frecher, mutiger Einkauf, dies gehört zur heutigen Unternehmensphilosophie.
Wobei die Erfahrungen und Tugenden der vorangegangenen Generationen der Familie Schratt nach wie vor ihre Gültigkeit haben und gelebt werden: treu, sozial und ehrlich, gleich ob Lieferant, Kunde oder Mitarbeiter. Ausgestattet mit dem Erfahrungsschatz der Vorväter und voll mit eigenen Ideen darf man von Anita und Franz Schratt noch einiges an Zukunftsprojekten in Sachen Schuhe – Sport – Mode erwarten.
A lustiger Bua braucht oft a Paar Schuah, a trauriger Narr hat lang an am Paar.
Heute
Was im Jahr 1803 mit der Entwicklung des Haferlschuhs durch Schuhmacher Franz Schratt begann, präsentiert sich heute – nach mehr als 200-jährigem Bestehen – als florierendes, mittelständisches Familienunternehmen, auch diesmal mit einem Franz Schratt an der Spitze.
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